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Mehr von der Mema...

Im Blog finden sich immer wieder kleine Anregungen zu Übungen. Gerne gebe ich Welpeneltern und anderen Interessierten etwas mehr Informationen dazu weiter. 

Geschenke annehmen

So vieles Gutes bieten uns die Welpen den ganzen Tag über an, ohne dass wir es mit ihnen üben müssen. Es braucht zwar keine Übzeit, aber es benötigt ganz viel Wahrnehmen und Erkennen von erwünschtem Verhalten, welches wir verstärken und fördern wollen. Das beginnt beim ruhigen Zuschauen, wenn das Futter vorbereitet wird oder beim ruhigen Beobachten von Reizen - hier soll der Mensch daran denken, dieses erwünschte Verhalten zu loben und einem kleinen Keks zu belohnen. 

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Namensspiel

Wenn wir Menschen jemanden ansprechen, so tun wir das mit seinem Namen. Wir möchten gerne, dass diese Person sich dann auch uns zuwendet und auf eine Kommunikation wartet. Genauso ist es auch mit unsren Hunden. Der Name soll bedeuten, der Mensch möchte etwas von mir. Damit wir auch beim älteren Hund und in unterschiedlichen Situationen die Aufmerksamkeit unseres Hundes bekommen, wenn wir ihn ansprechen, geben wir ihm ins Besondere in der Welpenzeit eine ganz tolle Bedeutung mit vielen guten Emotionen. Der Welpe fühlt sich jederzeit wohl und freut sich auf eine Kontaktaufnahme, wenn er seinen Namen hört. Selbstredend, dass wir ihn nicht mit seinem Namen erschrecken oder ihn mit seinem Namen rufen, wenn er etwas tun soll, was unangenehm werden kann.

Kitzelduft oder konditionierte Entspannungsrituale

Körpereigene Entspannungsprozesse (hormonelle und andere chemische Abläufe: Muskelentspannung, Blutdruck sinkt, Atmung wird langsamer) werden mit einem Ritual, einem Duft oder einem Wort verknüpft (Fachausdruck: Klassische Konditionierung). Sie helfen nach einiger Zeit dem Hund sich auch in anderen Situationen (auch aufregenderen) zu entspannen. Das Erregungsniveau sinkt, Anspannung löst sich und der Hund wird dadurch für eine gewisse Zeit ansprechbar und lernfähig.

Er kann erwünschtes Verhalten zeigen und gute (ruhige) emotionale Verknüpfungen mit Reizen machen.

Es gibt zwei Möglichkeiten Entspannungssignale/ -rituale aufzubauen.

Passiver Aufbau:

Das Signal wird immer dann dazugebracht, wenn der Welpe/Hund sich gerade von selbst entspannt. Zum Beispiel:

- wenn er sich zuhause und unterwegs hinlegt und sich entspannt

- kurz vor dem Einschlafen, bei Licht löschen

- bei einem freiwilligen Spielunterbruch 

 Z.B. ein Wort wie Reeeelaaaax, eeeeasy, Ruuuuhe, calma, ein Summen.... oder auch einem Duft (hier kommt Gingers Kitzelduft ins Spiel und das ist unsere Rosenhandcreme) Der Name 'Kitzelduft' kommt daher, dass es Ginger in den ersten Tagen immer in der Nase gekitzelt hat, wenn ich die Hände eincremte😊 auch bei Minimengen.

 

Aktiver Aufbau:

Immer dann, wenn wir dem Hund helfen können sich zu entspannen:

- durch Halten oder ruhiges Streicheln, 

- durch ruhiges Atmen,

- durch Massage, 

- durch Körperkontakt,

mit immer dem gleichen Wort ..... Reeeelaaax, pschhhhh, 

 

Geräusche, Musik (wie der Relaxodog), Gegenstände und Düfte können als Entspannungsrituale miteingebaut werden.

Als Duft habe ich meine Handcreme. Natürlich könnt ihr auch Lavendel oder andere Düfte verwenden. Sie sollen nicht zu stark / nicht synthetisch sein und im besten Fall auch uns beruhigen und nicht anregen.

Vor jedem unerwünschten V.jpg
Erwünschtes wahrnehmen 

Vor einigen Jahren habe ich folgendem Satz geschrieben:

Vor jedem unerwünschten Verhalten ist ein erwünschtes Verhalten - Nimmt es wahr und verstärke es.

Im  Zusammenleben mit dem kleinen Ginger und den zwei grossen Vizslas findet sich viel an erwünschtem Verhalten kurz bevor das unerwünschte Verhalten folgen würde.

- Sitzen und abwarten, wenn ich eine Bisipfütze aufputzen möchte,

- neben mir auf allen vier Pfoten stehen, wenn ich das Futter vorbereite,

- liegen bleiben, wenn ich aufstehe...

Weiss ich schon vorab, dass die Wahrscheinlichkeit für unerwünschten Verhalten von Ginger oder den beiden anderen gross  ist,  hilft mir Management um erwünschtes Verhalten zu erhalten.

So trenne ich meine erwachsenen Hunde bei Futter von Ginger, sei es bei den Mahlzeiten, aber auch bei Kauknöchli. Lotti zeigt immer wieder deutliche Ressourcenverteidigung bei Essbarem.

Kekse gemeinsam zusammensuchen ist kein Problem. Auch nicht reihum von uns Leckerbissen zu bekommen, aber jeder hochwertigere grösser Happen den Ginger auch haben möchte kann zum Problem werden ( 'kann' weil wir Lotti kennen und sie sehr gut kommuniziert).

Management kann bedeuten, den Hund als Sicherheit anzuleinen, oder mehr Distanz zu machen oder die Leberwurst griffbereit zu haben.

Möglich ist dies alles nur dann, wenn ich ganz bei meinen Hunden bin, sie wahrnehme und auch vorausschauend erkenne, was passieren könnte. Ganz ehrlich, trotz viel Erfahrung und viel Wissen bin auch ich nicht immer ganz im 'Hier' und 'Jetzt' und verpasse Dinge. Sei es, weil ich selber müde bin, weil ich grad eigene Bedürfnisse habe oder jemand etwas mit mir besprechen möchte, oder oder ... und dann macht Ginger doch genau das, was ich eigentlich nicht möchte. z.B. an meinen nackten Beinen hochstehen. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass unerwünschtes Verhalten wieder gezeigt wird, ist gross, wenn es sich für den Hund lohnt. So weiss ich, dass ich ein Auge darauf haben muss! In einer nächsten ähnlichen Situation helfe ich rechtzeitig mit, um anstelle von Unerwünschtem erwünschtes Verhalten möglich zu machen.

Es soll keineswegs das Ziel sein, jedes unerwünschte Verhalten zu unterbinden. Das wäre auch gar nicht möglich! Sondern dafür zu sorgen, dass Unerwünschtes nicht weiter geübt werden kann. Fehler passieren im Leben und sie sind wichtig fürs Lernen. Für mich sind sie ein Hinweis darauf, dass der Hund noch keine andere Strategie kennt, andere Bedürfnisse hat oder im Moment 'Out of Order' ist. Hohe Erregung wie sie durch Stress, Angst oder Überforderung entsteht, lässt alles vergessen, auch gut Gelerntes und Gefestigtes. Meine Aufgabe sehe ich darin, mit dem Hund gute Strategien zu üben, zu managen, wenn noch nichts anderes geht und beruhigend zu unterstützen, wenn gerade mal Schiff unter ist.

Sii loo oder lass es sein

'Lass es sein' gibt dem Welpen den Hinweis, dass das, was er gerade tun möchte oder das, was er gerade tut, keine gute Idee ist. Dass es sich auf jeden Fall lohnt, davon abzulassen und sich dem Menschen zuzuwenden oder auch einfach etwas anderes zu tun.

Menschen sind sehr schnell damit  Pfui, NEIN oder irgendwelche Zischlaute zu schreien, wenn sie etwas nicht möchten.

Damit wollen sie das unerwünschte Verhalten unterbrechen und im besten Fall ganz abzustellen. Das funktioniert doch, höre ich viele Hundhaltende sagen: Der Hund erschreckt sich und hört auf mit seinem Tun...

Aber möchte ich das, macht das Sinn? Was würde Ginger dabei lernen?

Wenn ich laut genug schreie, würde er vermutlich nicht mehr zum Besen hingehen. Er würde den Besen (und auch mich mit dem Besen in der Hand) meiden, weil das Annähern für ihn unangenehme Gefühle entstehen lässt.

Hat er denn eine Alternative? Oder die Fragen anders gestellt: Warum geht er überhaupt zum Besen hin, wenn ich ihn bewege? 

Ein bewegter Reiz ist für ihn als Beutejäger spannend, sein Hirn meldet ihm: Das könnte Beute sein, geh hin und pack zu... 

Hmmmm, soll ich als Hundehaltende jetzt bei allem und jedem sein genetisch fixiertes Handeln oder seine Neugier abwürgen. Da wäre der Tag wohl voll mit Pfui's oder NEINs. Irgendwann würde Ginger gar nichts mehr ohne Erlaubnis tun. Seine Neugier, seine Bedürfnisse würde unter den vielen Schreckreizen verkümmern. 

Mit einem Signal, welches den Hund einlädt seinen Kopf von etwas wegzudrehen und dafür belohnt zu werden, können wir fast alle Pfui's und NEINs vergessen. Ich brauche sie nicht, weder für Ginger noch für meine erwachsenen Hunde. 

Damit der Hund auch bei starken Reizen seinen Kopf wegdrehen kann, braucht es viele Wiederholungen und zwar ohne beim Hund das Gefühl entstehen zu lassen, dass er etwas Tolles verpasst. 

Ich möchte ein Kopfdrehen, ohne dass der Hund darüber nachdenkt, warum er den Kopf dreht. Also fast schon ein reflexartiges Wegdrehen.

Für ein erfolgreiches Training bedeutet das: Wir üben das Wegdrehen ganz oft in Trainingssituationen und wenden es im Alltag nur an, wenn es wirklich nötig ist.  Zudem schlagen wir dem Hund nach dem Signal 'Lass es' und seinem Wegdrehen andere Verhaltensmöglicheiten vor, die für ihn eine echte Alternative sind. Bei Ginger und seinem Besen wäre dies im Moment: Leberwurst für das Wegdrehen können und dann zum Beispiel ein anderer spannender Gegenstand mit dem wir dann ein kleines Welpen - Beutespiel machen. So bleibt auch der Frust darüber aus, dass er mit dem Besen keine Beute machen konnte.

Im Moment helfe ich Ginger jedoch noch fest mit der Leberwursttube seinen Kopf wegzudrehen oder etwas loszulassen🥰.

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PAUSENSIGNAL

Immer dann, wenn wir dem Hund helfen können Pause zu machen:

Wir wenden das Pausensignal in erster Linie als positiv verknüpftes Abbruchsignal an, welches dem Welpen eine beruhigende Beschäftigung ankündet. Das erste Kennenlernen des Pausensignals findet in ruhigen Momenten statt. Später setze ich es auch ein bei Aufregung, bei erwünschten Unterbrüchen im Spiel, bei Turbomomenten, aber auch bei schwierigen Situationen im Alltag um Ansprechbarkeit zu erhalten.

Ablauf: Signalwort PAUSE – dann ruhige Futtersuche (natürlich geht auch ein Kauen oder Lecken. Aber ich möchte in erster Linie den Hund darzubringen an Ort und Stelle am Boden zu schnüffeln und nicht unbedingt zum Menschen zu gehen) 

Nach einigen Wiederholungen wird der Welpe sich schon auf Futtersuche begeben, ohne dass vorher Futter ausgestreut wurde. 

Bei Kontakt mit Fremdhunden wird NIE Futter ausgestreut. Da Vertrauen wir darauf, das unser Hund beginnt zu schnüffeln und den anderen Hund dadurch motiviert auch zu schnüffeln.... Also Abbruch und Beruhigung durch Nachahmung. Meinem Hund kann ich nach der Begegnung immer noch Futter streuen und das Signal aufladen.

Bald schon wird das Pausensignal auch mit Beruhigung verknüpft sein und einen Anteil konditionierte Entspannung mit sich bringen. Das Wort 'Pause' darf auch gerne bei der Futtersuche wiederholt werden. 

Gerne vergleiche ich das Pausensignal mit dem Zvieri-Tisch bei Kinderbesuch in einer Familie. Merke ich, dass die Kinder immer wilder spielen, Streitereien beginnen oder nicht mehr alle wohl nicht, rufe ich gerne die Kinder zum Zvieri.  Sich an den Tisch setzen, etwas essen und trinken und dadurch das Spiel unterbrechen, hilft Ruhe in den Kindernachmittag zu bringen.  Danach kann ich, je nach Stimmung, entscheiden, ob die 'Besuchkinder' nach Hause gehen oder ob noch etwas gemeinsame Zeit ohne Streit möglich ist. Vielleicht gebe ich dazu auch eine neue Spielanregung...

Viel unterschiedet sich nicht zum Umgang mit unserem Hund. Vielleicht nur was es gibt und wo es ein Zvieri gibt 🤔😊

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